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4 Januar 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Historisch-kritische Ausstellung in Berlin

Der doppelte Humboldt

Das Abbild Alexander von Humboldts vor der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Bruder Wilhelm steht ein paar Meter weiter links. Einen zeitgenössischen Blick auf ihr Wirken bietet derzeit das Deutsche Historische Museum in Berlin.

TITELBILD: IMAGO IMAGES / WESTEND61

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Sie setzten Maßstäbe im Verständnis von Natur und fremden Kulturen. Die Humboldt-Ausstellung in Berlin widmet sich dem Brüderpaar mit einem historisch-kritischen Blick.

Steht man vor der Humboldt-Universität in Berlin, grüßen sie einen: Alexander rechts vom Portal, näher Richtung „Alex“, Wilhelm links davon. Während Alexander mit beispielloser Energie Naturphänomene jeglicher Art in zahlreichen Regionen der Erde ergründete, gilt Wilhelm als der Bildungsreformer, dem wir nicht nur das Gymnasium und die Universität verdanken, sondern der in seinen umfassenden sprachwissenschaftlichen Studien fremde Kulturen in ihrer Verschiedenheit geistig zu durchdringen suchte. Ein Verständnis der Welt in ihren natürlichen und kulturellen Erscheinungsformen, das immer durch einen immensen Wissensdurst angetrieben war, verband beide Brüder über ihre Leben hinweg. Dem Geschwisterpaar ist nun im Deutschen Historischen Museum in der Hauptstadt die erste große, historisch-kritische Humboldt-Ausstellung in Berlin und Deutschland gewidmet.

Es lohnt sich, manches zu hinterfragen und das Leben und Wirken der Brüder historisch zu betrachten.
Kurator David Blankenstein

Zwar werden Wilhelm und Alexander von Humboldt heute als deutsche Kosmopoliten gefeiert, unser Blick auf das Ferne und auf die Welt ist jedoch in den vergangenen zwei Jahrhunderten ein anderer geworden – diesem historischen Abstand will die Ausstellung mit kritischem Blick gerecht werden.

Humboldt-Ausstellung in Berlin: 350 Objekte aus ganz Europa zusammengetragen

Die beiden Kuratoren Bénédicte Savoy und David Blankenstein fragen danach, wie wir heute die Brüder Humboldt und ihr Wirken rezipieren können. Sie haben dazu etwa 350 Objekte aus ganz Europa zusammengetragen, die das Panorama einer Epoche aufmachen.

Eine Epoche, die beide Humboldts gleichermaßen mitgeprägt haben, in deren historische Widersprüchlichkeiten sie aber auch eingeschrieben waren: Dem in der Aufklärung entworfenen Bild der Gleichheit der Menschen, dem die Brüder verpflichtet waren, stehen gleichzeitig Kolonialismus und Sklaverei entgegen. Die Neuentdeckung der Natur geht im gleichen Zeitalter mit ihrer Beherrschung und beginnenden Zerstörung einher.

Humboldt-Ausstellung in Berlin: „Produkt der Zeit, in der sie lebten“

„Es lohnt sich, manches zu hinterfragen und das Leben und Wirken der Brüder historisch zu betrachten“, so Kurator Blankenstein und Savoy, „als ein Produkt der Zeit, in der sie lebten – um 1800 – und des Raums, von wo aus sie dachten – Europa.“

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„Wilhelm und Alexander von Humboldt“

Deutsches Historisches Museum Berlin, bis zum 19. April 2020