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9 März 2022 / Lesezeit: 5 minuten

Krieg in der Ukraine

6 Dinge, die du für die Ukraine tun kannst, außer zu spenden

Das Brandenburger Tor erstrahlt solidarisch in den Farben der Ukraine. Aber wie kann man den Menschen dort wirklich helfen?

Bild: IMAGO / Mauersberger

Bild: IMAGO / Mauersberger

In der Ukraine herrscht Krieg und viele fragen sich: Wie kann ich helfen? Hier sind sechs Dinge, die du tun kannst, außer Geld zu spenden.

1. Nur seriöse Informationen lesen und verbreiten

In den sozialen Netzwerken werden zahlreiche nicht vertrauenswürdige Nachrichten geteilt. Es ist menschlich, aus der Hilfslosigkeit heraus schnell etwas tun zu wollen. Aber den Menschen in der Ukraine ist am meisten geholfen, wenn du dir erst einen gründlichen Überblick mithilfe seriöser Quellen verschafft. Der  Thinktank Zentrum Liberale Moderne, der von Steuergeldern gefördert wird, ist eine renommierte erste Adresse und hat die Seite Ukraine verstehen eingerichtet. Hier geben Osteuropa-Expert:innen einen Überblick über die aktuelle Lage und klären auf dieser Seite umfassend über vertrauenswürdige Organisationen auf, die du mit Spenden unterstützen kann. Krautreporter hat einen kostenlosen Newsletter eingerichtet, der jede Woche über den Ukrainekrieg informiert. Correktiv dokumentiert auf dieser Seite  Falschmeldungen und Gerüchte, die über den Russland-Ukraine-Krieg kursieren. Der Bayerische Rundfunk hat einen Guide zusammengestellt, der dabei hilft, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden.

2. Notunterkünfte organisieren und sich freiwillig engagieren

In Deutschland kann man zum Beispiel auf der Seite Gastfreundschaft für die Ukraine des Elinor Netzwerks und der GLS Bank eine Unterkunft für Geflüchtete anbieten. Auf der Seite host4ukraine können Menschen jeder Nation Unterkünfte anbieten.

In den Nachbarländern der Ukraine kommen die meisten Geflüchteten an. Diese ukrainischsprachige Seite bietet Menschen eine erste Anlaufstelle, um beim Transport aus dem Land zu helfen. Du kannst helfen, indem du diese Seiten, zum Beispiel auch die Hotlines und Websites der jeweiligen Regierungen, auf denen sich Geflüchtete aus der Ukraine informieren und Hilfe anfordern können, teilst. In Polen ist das zum Beispiel diese Seite.

Sich freiwillig engagieren

Unzählige Initiativen organisieren derzeit Sachspenden, Rechtsberatung, Fahrdienste, Notunterkünfte und Übersetzungsangebote, für die Freiwillige benötigt werden. #leavenoonebehind hat diese Seite erstellt, auf der du dich registrieren kannst, wenn du helfen möchtest. Ebenso können sich dort lokale Hilfsangebote für die Ukraine registrieren um Freiwillige und Organisationen lokal miteinander zu verknüpfen. Du kannst dich darüber hinaus direkt bei deiner Kommune und lokalen NGOs informieren, wie und wo du unterstützen kannst. Wenn du einer Firma oder NGO angehörst, die sich der Hilfsbewegung für die Ukraine anschließen will, kannst du dich dem Alliance4Ukraine Bündnis anschließen.

Zwei Ukrainische Unternehmer in Berlin haben das Netzwerk UA Talents eingerichtet, eine Jobbörse, auf der sich ukrainische Geflüchtete, sowie Unternehmen registrieren können, die gezielt Menschen aus der Ukraine einstellen möchten. Im Moment ist der Fokus auf dem Tech-Sektor, aber die Börse will sich schnell auch auf alle anderen Branchen ausweiten. Bereits Branchen-unabhängig  vermittelt das Netzwerk Job Aid Ukraine. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Deutschland haben einen Leitfaden darüber geschrieben, was Unternehmen beachten müssen, wenn sie Geflüchtete ausbilden und einstellen möchten. Die IHK vermittelt selbst Geflüchtete jeder Nation. Auch Geflüchtete aus Somalia, Syrien, Afghanistan und anderen Ländern benötigen weiterhin eure Solidarität.

3. Angebote für psychische Seelsorge teilen und selbst wahrnehmen

Insbesondere Ukrainer:innen und Menschen, die im Land Familie und Freund:innen haben, sind gerade einer unglaublichen psychischen Belastung ausgesetzt. Für sie gibt es kostenlose Angebote, um telefonisch oder via Chat mit Psycholog:innen und Freiwilligen zu reden.

Die Initiative Krisenchat bietet kostenlose psychologische Beratungen per Chat an und sucht dringend nach Psycholog:innen, die Russisch und Ukrainisch sprechen.

Ihr habt selbst Angstzustände oder Panikattacken angesichts der Situation in der Ukraine? An diese telefonischen Hotlines kann sich jede Person wenden:

Kostenfreie Rufnummern der Deutschen Telefonseelsorge:

0800 / 111 0 111
0800 / 111 0 222

Chat-Angebot: online.telefonseelsorge.de

Mutruf, Für die Präventation von Panikattacken 04191 – 27 49 28 0

Auch auf enorm: Warum der Westen jetzt auf ganz Osteuropa blicken muss

4. Friedlich demonstrieren und Abgeordneten schreiben

Demonstrieren ist ein wichtiges Mittel, um sich für die Demokratie und den Frieden zu positionieren und sich mit den Menschen in der Ukraine zu solidarisieren. Wenn ihr in eurem Heimatort demonstrieren wollt, gibt es hier einen Überblick über die Demonstrationen, die in Deutschland und international stattfinden. Dieses Dokument sammelt außerdem Links, unter denen man in seinem jeweiligen Land seinen politischen Abgeordneten und Vertreter:innen schreiben kann.

5. Sich für marginalisierte Gruppen in der Ukraine einsetzen

Für alle Menschen sind Krieg und Flucht traumatische Erfahrungen. Dennoch braucht es vor allem für manche Gruppen spezifische Formen der Sensibilität und Hilfe.

Die meisten Geflüchteten aus der Ukraine sind Frauen und Kinder. Deshalb ist ein gendersensibles Hilfsangebot wichtig. Wenn du gezielt Frauen und Kindern helfen willst, spende Menstruationsprodukte, sowie Babynahrung und Kinderkleidung, zum Beispiel an die NGO Social Period oder über die Aktion von The Female Company. Frauen sind auf der Flucht besonders gefährdet, Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel zu werden. Deshalb wünschen sich viele Frauen, nur von anderen Frauen aufgenommen zu werden. Beim Facebook-Netzwerk Host a Sister können sich daher nur Frauen anmelden, um andere Frauen und ihre Kinder aufzunehmen.  Das Netzwerk klärt auch darüber auf, wie man unseriöse Hosts erkennt. In der Ukraine schult die Organisation Ukrainian Women’s Guard Frauen für Krisensituationen.

Leider gibt es zahlreiche Berichte von Geflüchteten of Colour, insbesondere von Studierenden aus afrikanischen Ländern, denen an den Grenzen Rassismus widerfährt und die daher Schwierigkeiten haben, das Land zu verlassen. Auch jüdische und muslimische Menschen können von Diskriminierung betroffen sein.

In diesem Dokument können sich Menschen überall in Europa registrieren und Unterkünfte explizit für People of Colour und queere Menschen anbieten.

Auf diesem Thread wird spezifische Hilfe für Schwarze Menschen angeboten.

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden setzt sich insbesondere für die Menschen in der Ostukraine und die jüdische Gemeinde in der Ukraine ein. Auch die US-amerikanische Organisation Jewish Joint Distribution Committee Charity setzt sich für die jüdischen Gemeinden in der Ukraine ein. Die Jewish Telegraphic Agency und The Times of Israel klären über die Bedürfnisse und die Bedrohung der jüdischen Gemeinden in der Ukraine auf.

Die NGO Les Migras bietet queeren Menschen aus der Ukraine psychologische Beratungen auf Russisch und Ukrainisch an.

Die LGBT-Organisation OutRight Action International sammelt Sach- und Geldspenden für die Unterstützung queerer Geflüchteter in der Ukraine.

Internationale Sinti:zze und Rom:nja Aktivist:innen haben eine Kampagne gestartet, um diese überall in Europa starken Diskriminierungen ausgesetzten Gruppe mehr Aufmerksamkeit und Zugang zu Spenden, Transport und Unterkünften zu verschaffen.

Die ukrainische Organisation Fight for Right setzt sich für Menschen mit Behinderungen in der Ukraine ein: Sie stellen unter anderem Informationen in Brailleschrift zur Verfügung und bieten rechtlichen Beistand. Du kannst Menschen mit Behinderungen auch unterstützen, in dem du zum Beispiel Gehhilfen oder anderes benötigtes Equipment spendest. Der Verein Lebenshilfe bietet eine gute Übersicht, was gerade benötigt wird und wohin man spenden kann.

6. Freie Medien in der Ukraine und Russland schützen

Putin will die Ukraine isolieren. Deshalb benötigen gerade Journalist:innen in der Ukraine Unterstützung, um weiter berichten zu können. Die NGO Reporter ohne Grenzen informiert über die aktuelle Lage und ist hier ansprechbar für Anfragen von Kolleg:innen und deren Angehörigen, die Versicherung, Schutz und Unterstützung brauchen.

Diese enorm-Reportage, erschienen im Dezember 2021, stellt eine Auswahl unabhängiger ukrainischer Medien vor, die du unterstützen kannst – nicht nur mit Spenden, sondern mit dem Lesen und Teilen ihrer Artikel. Ein englischsprachiges Angebot gibt’s zum Beispiel beim Kyiv Independent. Das Katapult Magazin hat ukrainischen Journalist:innen ihre Redaktionsräume zur Verfügung gestellt und stellt ab sofort auch ukrainische Journalist:innen ein.

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