Wie komme ich an einen Job mit Sinn?

Ein ausgefülltes Arbeitsleben, mit dem man auch noch Gutes tut? Danach sehnen sich viele – doch wie klappt der Einstieg? Eine Möglichkeit sind Workshops für Wechselwillige. Wir haben uns einen der Personalvermittler Talents4Good genauer angeschaut

Text: Phillip Bittner Fotos:

Talents4Good

Der Workshop „Einstieg in den Job mit Sinn" verspricht Wechselwilligen den Weg zu weisen
Der Workshop „Einstieg in den Job mit Sinn" verspricht Wechselwilligen den Weg zu weisen

Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit ihrer Arbeitsstelle. Welche Gründe dahinterstehen, ist oftmals sehr unterschiedlich und vielschichtig. Natürlich spielt das Geld eine Rolle, doch immer mehr andere Faktoren in den Fokus: Sinnhaftigkeit und damit das Gefühl, mit seiner Arbeit Positives in der Welt zu bewirken.

Doch wie bekommt man so eine Stelle? In normalen Jobbörsen sind nur wenige in dem sogenannten dritten Sektor – also Social Businesses, Stiftungen, Wohlfahrtsorganisationen oder Nichtregierungsorganisationen (NGO) – zu finden. Auch das Arbeitsamt entpuppt sich meist nicht als beste Adresse für die Suchenden. Und wenn man dann endlich fündig geworden ist, dann scheitern viele Bewerber schon während des Auswahlprozesses. Der Grund: in der Branche gelten andere Regeln.

Ein Job mit Sinn? Doch nur wie?

Eine Tatsache, die Talents4Good – Deutschlands erste Personalvermittlung für Stellen mit gesellschaftlicher Wirkung – immer wieder bei den Bewerbern auffiel und die Gründerinnen Carola von Peinen und Anna Roth-Bunting dazu veranlasste, einen Workshop für Wechsler in den dritten Sektor ins Leben zu rufen.

In diesem sollen viele Fragen beantwortet werden, die zwangsläufig auftauchen, wenn man aus der sogenannten normalen Wirtschaft umsteigen möchte. Darunter: Wie finde ich die Stellen? Wer kommt als Arbeitgeber in Frage? Welche verschiedenen Branchen gehören zum dritten Sektor dazu? Wie kann ich in die nachhaltige Szene kommen? Und ganz wichtig: Wo muss ich hingehen, um mein Netzwerk aufzubauen beziehungsweise zu erweitern?

Workshop soll Menschen, die den Job wechseln wollen, auf das richtige Gleis setzen

„Viele Wechselwillige wissen nur wenig über das Arbeitsumfeld bescheid, das sie für ihre berufliche Zukunft anstreben“, sagt Carola von Peinen und hat deshalb die Workshops in zwei Abschnitte aufgeteilt. Am ersten Tag sollen die Teilnehmer zum einen die Möglichkeit bekommen, ihre Vorstellungen über die Branchen zu überprüfen, und zum anderen viel Neues kennenlernen. Denn kaum ein Sektor ist in Deutschland mittlerweile so vielfältig wie der dritte.

Dabei beginnt das Workshop-Team um von Peinen wirklich ganz am Anfang und erklärt die Prinzipien von Sozialunternehmen, die Aufgaben von Stiftungen, den Aufbau von Verbänden und die Arbeitsweisen von NGOs. Immer wieder betont von Peinen zudem die Wichtigkeit des eigenen Netzwerks. „Die Stellen, die Sie suchen, werden nicht auf Jobplattformen ausgeschrieben. Gehen Sie zu Veranstaltungen und Netzwerktreffen und melden Sie sich bei den Newslettern der Organisationen und Unternehmen an“, rät sie den Teilnehmern.

Zwei Tage – zwei Schwerpunkte

„Der erste Tag ist ein wenig wie Frontalunterricht“, sagt von Peinen. Und in der Tat – der Besuch eines Talents4Good-Workshops bestätigt die Aussage. Viele PowerPoint-Folien, Vorträge – von internen und externen Referenten – aber auch interaktive Übungen, in denen die Teilnehmer ihr Gedanken austauschen können. Hier besteht noch Verbesserungspotenzial, wie auch von Peinen einräumt. „Am ersten Tag lag der Fokus auf dem Informationstransfer, weshalb interaktive Elemente noch zu kurz kamen. Diese setzten wir verstärkt am zweiten Tag ein. Für den nächsten Workshop planen wir deshalb, beide Tage interaktiver und abwechslungsreicher zu gestalten.“

Der zweite Teil am folgenden Tag dreht sich dann um konkrete Karriereperspektiven. Was verlangen die Arbeitgeber von mir als Bewerber? Was kann ich mit der neuen Jobwahl verdienen? In welchen Positionen kann ich mit meinen individuellen Erfahrungen arbeiten? So zeigt Talents4Goods unter anderem an Bewerbungen und Lebensläufen, worauf geachtet werden muss. Denn die Fallstricke sind auch hier vielfältig.

No-Gos bei der Bewerbung

Doch was sollte man unbedingt vermeiden? „Überhebliches Auftreten, da man aus der Wirtschaft kommt, und nun den Gutmenschen zeigen möchte wie richtiges Arbeiten funktioniert“, sagt von Peinen als Beispiel. Aber auch falsche Akzente in der Bewerbung und im Lebenslauf führten schnell dazu, das man frühzeitig aussortiert werde, obwohl man vielleicht gut geeignet wäre. „Eine ehrenamtliche Tätigkeit kann man durchaus auch an den Anfang des Lebenslaufs stellen“, sagt von Peinen.

Doch kann man sich solche Informationen nicht auch einfach "ergooglen"? „Sicher – wenn man denn schon weiß, wonach man suchen muss. Doch für viele ist der dritte Sektor immer noch ein Buch mit sieben Siegeln“, so von Peinen weiter. Dieses will sie mit ihrem Team öffnen und einen Schubs in die richtige Richtung geben.

Analyse der eigenen Stärken und Schwächen

Abgerundet wird der Workshop von Talents4Good durch eine SWOT-Abnalyse (engl. Akronym für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Gefahren)), bei der die Teilnehmer ihre Stärken besser kennenlernen können, und einem individuellen Coaching-Gespräch.

Doch funktioniert so ein Workshop, wie ihn Talents4Good anbietet, wirklich? Olaf Weberring nahm an der ersten Ausgabe der Veranstaltung in München teil. Weberring war 18 Jahre bei der HypoVereinsbank. Mittlerweile arbeitet er an seinem Einstieg in sein neues berufliches Leben.

Weg von der HypoVereinsbank – hinein ins neue Leben

Auch er stand vor dem Workshop vor einem Scheideweg. Nachdem er bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit als Mentor erfahren hatte, wie befriedigend eine sinnvolle Tätigkeit sein kann, war er sich relativ schnell sicher: Das will ich auch beruflich haben. „Ich fühlte mich im der klassischen Wirtschaft nicht mehr zuhause“, sagt er rückblickend. Doch wie einsteigen, das wusste er nicht. Zumal ihm als Banker bei den alten und potenziell neuen Kollegen viel Unverständnis und Vorurteile entgegen stießen.

„Der Workshop von Talents4Good kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich brauchte ein wenig Anleitung wie man in den dritten Sektor kommt“, sagt Weberring heute. Zudem wollte er wissen, was von ihm als Neueinsteiger konkret erwartet wird. „Reicht nur die berufliche Erfahrung als meinem Beruf oder brauche ich noch ganz andere Fähigkeiten“, sagt Weberring.

Teuer, aber es scheint sich zu lohnen

Mit 980 Euro für zwei Tage kostet der Workshop nicht gerade wenig. Für Olaf Weberring aber gut investiertes Geld, denn mittlerweile hat er zwei Praktika absolviert. Gefunden hat er diese aber nicht über Talents4Good. Und genau das ist auch ein Ziel des Workshops, erklärt Carola von Peinen. „Wir möchten so viele Informationen vermitteln, dass die Teilnehmer gar nicht mehr unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen müssen, um einen neuen Job zu bekommen.“

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