Verkaufen statt Wegschmeißen

Das berüchtigte Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, sorgt nicht nur in Deutschland dafür, dass jährlich Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeschmissen werden – obwohl eigentlich noch genießbar. Ein Supermarkt in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen will dem Problem begegnen und verkauft nun genau solche abgelaufenen Lebensmittel.

Supermarkt WeFood für abgelaufene Lebensmittel Foto: Mikkel Østergaard/Facebook/Wefood
Zu alt für den normalen Handel, zu gut für die Tonne: WeFood verkauft abgelaufene Lebensmittel. Foto: Mikkel Østergaard/Facebook/Wefood

Dass Lebensmittel mit Ablauf des MHD nicht sofort schlecht und ungenießbar werden, ist hinlänglich bekannt. Trotzdem strahlt das aufgedruckte Datum immer noch eine geradezu unheimliche psychologische Wirkung aus. Wir greifen im Supermarkt lieber nach dem Brot, das sich – laut Aufdruck – zwei Tage länger hält. Oder nach der Müslipackung, die schön aussieht und nicht eingedrückt ist.

Ein Supermarkt in Dänemark zeigt Herz und Toleranz und verkauft diese ungeliebten Produkte. WeFood von der kirchlichen Hilfsorganisation Folkekirkens Nødhjælp hat nur abgelaufene oder „unschöne“ Lebensmittel im Sortiment. Die Preise sind bis zu 50 Prozent niedriger als im normalen Handel. Das Projekt wird getragen von Freiwilligen und konnte sich hauptsächlich durch ein Crowdfunding von etwa 130.000 Euro finanzieren. Die Erlöse fließen direkt in die Arbeit der kirchlichen NGO in ärmeren Ländern.

Auch eine Idee für Deutschland?

Per Bjerre von Folkekirkens Nødhjælp sagte gegenüber thelocal, der Laden richte sich nicht nur an Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch an Umweltbewusste, die etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun wollen. Allein in Dänemark werden jedes Jahr 700.000 Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. In Deutschland sind es laut einer WWF-Studie entlang der gesamten Wertschöpfungskette sogar 18 Millionen Tonnen.

Die dänische Initiative musste vor der Ladeneröffnung trotzdem einige Lobbyarbeit leisten und vor allem Gesetzeshürden überwinden. Denn wie hierzulande auch müssen die Händler abgelaufene Lebensmittel entsorgen oder zumindest aus dem Verkauf nehmen. In Deutschland sind einige Verkäufer dazu übergegangen, die Lebensmittel den Tafeln oder anderen Foodsharing-Initiativen zu spenden, statt sie wegzuschmeißen.

Dass diese Idee auch in Deutschland eine Marktlücke mit großer Nachfrage füllen kann, zeigt eine Petition auf change.org gegen Lebensmittelverschwendung. Die Initiatoren wollen die Supermärkte in die Pflicht nehmen. Statt abgelaufenene oder überschüssige Lebensmittel wegzuschmeißen, sollen die Läden EU-weit dazu verpflichtet werden, sie wohltätigen Zwecken zu spenden.

Mehr zum Thema