Stimmt, Puddingveganer retten die Welt nicht

Sarah Wiener bewegt mit ihrem Gastbeitrag zu veganer Ernährung. Dabei hat sie das Grundprinzip nicht verstanden, meint Julia Akra-Laurien. Eine Antwort an Sarah Wiener

It's time to evolve: Vegane Ralley in Australien / Foto: Takver, Flickr CC BY-SA 2.0
It's time to evolve: Vegane Ralley in Australien / Foto: Takver, Flickr CC BY-SA 2.0

Liebe Sarah Wiener,

zuerst: Sie haben recht. Die Nahrungsmittelindustrie – vegan oder auch nicht – verursacht mit Industrieprodukten nachhaltige Schäden an unserer Umwelt. Sie haben auch recht, wenn Sie sagen, dass alle zu viel Fleisch essen und dass es falsch ist, Tiere unter unwürdigen Bedingen zu halten. So weit, so dito.

Doch habe ich nach dem Lesen Ihres Beitrags das Gefühl, dass vegan zu essen für Sie bedeutet, weitestgehend auf industrielle Fertigprodukte zurückzugreifen. Das gilt vielleicht für sogenannte Puddingveganer, die sich zwar rein pflanzlich, aber sehr einseitig und überwiegend von Convenience-Produkten ernähren. Das ist aber nicht das, was wir regulär unter veganer Ernährung verstehen. Gerade Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen dafür entschieden haben, verarbeiten meist frische, regionale und saisonale Produkte.

Vegan geht auch ohne Soja

Wir brauchen keinen Tofu und keine Sojamilch, um uns pflanzlich zu ernähren. Probieren Sie doch mal, Dinkel – oder Hafermilch selbst zu machen. Getreide aus der Region finden Sie beim Hof nebenan, Wasser kommt aus der Leitung. Wir brauchen auch keinen Seitan-Truthahn, um pflanzlich glücklich zu werden. Natürlich fällt einigen Menschen so der Umstieg auf pflanzliche Kost leichter, aber das ist keine Dauerlösung.

Tiere sind nicht zum Essen da

Und dann gibt es noch die Menschen, die aus ethischen Gründen aufs Tierische verzichten. Und da kommen wir auch zu dem Knackpunkt: Sie sagen, dass der Veganer durch Verzicht auch nichts an den üblen Verhältnissen in der Nahrungsmittelproduktion verändere. „Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch (...)“ - da liegt das Missverständnis. Es soll eben keine Nachfrage nach Tierprodukten entstehen (auch nicht nach "anständigen"), da es genügend pflanzliche und auch regionale Alternativen gibt. Das Grundverständnis des Veganismus - dass Tiere nicht zum Essen, Anziehen, Unterhalten werden etc. da sind – ist, glaube ich, leider noch nicht bei Ihnen angekommen.

Es gibt Köche wie Sophia Hoffmann, die die Foodstrecken für unser Magazin kreiert – die kreative, vegane Gerichte zaubern, ganz ohne böse Industrieprodukte. Wir würden Ihnen wirklich gern mal zeigen wie das geht – wir laden Sie ganz herzlich zu einer Verkostung ein.

Bis dahin: Kochen Sie selber und mit natürlichen Zutaten. Kaufen Sie saisonal und regional. Und verzichten Sie auf das Stückchen Fleisch. Allen zuliebe.

Ihre

Julia Akra-Laurien

Profil
Zur Person

Julia Akra-Laurien ist Gründerin von Noveaux, ein Lifestyle-Magazin für vegane Mode und grünen Lifestyle. 

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