Lichtblicke im Öko-Dschungel

Fair und nachhaltig einzukaufen, ist im Alltag oft immer noch schwierig und langwierig. Doch allmählich kommt Ordnung in das Gewirr der Angebote. So ist das Einkaufsportal Fairnopoly nach beigelegtem Namensstreit gerade als Fairmondo neu durchgestartet. Und mit Bonsum geht die erste Suchmaschine für nachhaltiges Shopping an den Start

Text: Jonathan Widder Fotos:
Kristoffer Schwetje/Fairmondo
Fairmondo, grünes Online-Shopping, nachhaltiges Einkaufen, Transparenz
Nicht nur Bonsum, sondern auch Fairmondo steht für Transparenz. Und das Engagement der Mitarbeiter und ehrenamtlichen Unterstützer von Fairmondo geht weit genug, für diese Haltung auch eindeutig körperlich Stellung zu beziehen

Gibt es Menschen, die absichtlich und konsequent Produkte kaufen, die unter ausbeuterischen Bedingungen produziert wurden und die Umwelt schädigen? Wahrscheinlich nicht und wenn doch, dann dürfte es kaum die Mehrheit sein. Das hindert die Mehrheit allerdings nicht daran, munter und konsequent Produkte zu kaufen, die unter ausbeuterischen Bedingungen produziert wurden und die Umwelt schädigen. Woran liegt das? Ein Grund ist natürlich, dass es immer noch nicht für jedes Produkt eine nachhaltige Alternative gibt. Vor allem aber: Selbst wenn es sie bereits gibt, ist es oft ziemlich schwierig, zeitaufwändig und frustrierend sie zu finden. Und die gewissenlose Option ist bekanntlich nur ein paar Mausklicks entfernt.

„Wir haben uns zu oft über uns selbst geärgert, dass wir aus Zeitgründen und Faulheit beim Einkaufen immer wieder in alte Muster zurückgefallen sind“, sagen auch Michael Weber und Frederik Betz. Dann allerdings waren sie fleißig und motiviert genug, diesem Zustand den Kampf anzusagen. Und gründeten „Bonsum“, die erste Suchmaschine für nachhaltiges Einkaufen.

Das Gegenteil von Google, in jeder Hinsicht

Eine Suchmaschine für nachhaltiges Shopping? Das klingt, als könnten die Orientierungsprobleme beim Einkaufen mit Gewissen schon bald der Vergangenheit angehören. Einfach ein Produkt suchen und eine faire, grüne Lösung serviert bekommen, die natürlich auch noch alle übrigen Anforderungen an Design, Qualität und Preis erfüllt. Ganz so einfach ist es dann aber doch noch nicht. Denn Bonsum ist in mehrfacher Hinsicht ein Gegenstück zu Google – auch da, wo man es sich gar nicht unbedingt wünscht.

Das beginnt schon beim Layout. Während Google zumindest beim Design die Umwelt schont und aus Gründen der Einfachheit und Übersichtlichkeit fast alles außer Suchfeld und Logo von der Startseite verbannt hat, kann es bei Bonsum schon mal passieren, dass man das Suchfeld auf Anhieb gar nicht findet, weil die obere Hälfte der Seite mit üppig bebilderten Angeboten, Adventskalendern, Erklärungen und Links zu Partner-Shops vollgestopft ist.

Auch das Suchen funktioniert nicht so, dass sofort eine Liste mit Zigtausend Ergebnisse ausgespuckt wird. Denn Bonsum zeigt keine direkten Links an, sondern nur Shops, die das gesuchte Produkt führen. Dort muss man anschließend noch einmal suchen. Doppelter Stress also. Und dass die Shops bis jetzt alle von Hand indexiert sind, ist noch so ein Gegenstück zu Google, dessen Erfolg ja gerade daher kam, dass die Seite das komplette Internet automatisch Suchroboter erfasste, während die Konkurrenten von Yahoo noch meinten, dafür würden ein paar Redakteure reichen. Dass das bei Bonsum noch heute funktioniert, liegt daran, dass das Angebot im Moment noch sehr überschaubar ist.

Der Sprung in die Zukunft ist schon gesichert

Einen Teil dieser Punkte darf man allerdings zu Anfangsschwierigkeiten zählen, deren Abschaffung schon geplant ist. So stehen etwa die Neupositionierung des Suchfelds und der Wechsel von manueller zu maschineller Indexierung laut Frederik Betz schon auf der To-Do-Liste von Bonsum. Die Verbesserung der Suchfunktion zu finanzieren, ist auch eines der Ziele der aktuellen Crowdfunding-Aktion von Bonsum, die noch bis Sonntag läuft und bereits jetzt mehr als die erforderliche Summe von 7500 Euro einsammeln konnte.

Neben dem Crowdfunding finanziert sich Bonsum durch die Zusammenarbeit mit einem Netzwerk von Partner-Shops. Angemeldete Nutzer erhalten für jeden Einkauf dort Bonuspunkte, sogenannte „Bonets“. Mit ihnen können sie später innerhalb des Partner-Netzwerks vergünstigt einkaufen. Noch eine Motivation, grüne Produkte zu kaufen. Um für alle nachhaltigen Shops gleichermaßen offen zu sein, sollen in Zukunft aber auch Online-Shops mit in den Index aufgenommen werden, die nicht Teil des Affiliate-Netzwerks sind. Dass Bonsum aufgrund des Bonus-Systems mit den Partner-Shops keine reine Suchmaschine ist, gibt Frederik Betz offen zu: „Wir sind ein Hybrid“, sagt er. „Eine Kombination aus Suchmaschine und nachhaltigem Bonus-Programm."

Bewertet werden alle Shops nach den Kriterien faire Produktion, Vermeidung von Tierversuchen, Ressourcenschonung, Giftfreiheit der Inhaltsstoffe und CO2-Neutralität. Erfüllt ein Shop zwei der fünf Merkmale, nimmt Bonsum ihn in den Index auf. Welchen Kriterien welcher Shop entspricht, wird anhand von Symbolen unter dem jeweiligen Link zu ihm angezeigt. So kann jeder Nutzer selbst entscheiden, ob seine Ansprüche an nachhaltiges Einkaufen im Einzelfall tatsächlich erfüllt werden.

Auch Fairmondo startet neu durch

Mit dem Ansatz als Sprungbrett zu verschiedenen nachhaltigen Shops macht sich Bonsum ganz nebenbei auch zum Konkurrenten schon existierender grüner Shopping-Portale, wie zum Beispiel „Fairmondo“. Das Unternehmen, das ebenfalls mit Partner-Shops arbeitet, war 2013 als „Fairnopoly“ gestartet. Anschließend folgte gleich ein kräftezehrender Namensstreit mit Hasbro, dem Hersteller des Brettspiels „Monopoly“. Der ist nun jedoch außergerichtlich beigelegt, Fairnopoly heißt jetzt Fairmondo und startete gerade eine neue Offensive im Kampf gegen seine eigentlichen Gegner: Amazon und Ebay.

Zum Neustart gehört auch, dass das Unternehmen seine Strategie geändert hat und nun ausschließlich gute Produkte verkaufen will. Gut, das bedeutet in diesem Fall: fair, nachhaltig produziert oder von hoher Qualität. Lautete der Slogan zuvor „Marktplatz für alle“, so heißt es nun: „Gutes einfach entdecken“. Während das in vielen Bereichen immer noch mehr Ziel als Zustandsbeschreibung ist, weil auch bei Fairmondo das Angebot oft noch zu klein ist, funktioniert es im Bereich Bücher hier seit Kurzem tatsächlich. Durch eine Kooperation mit dem Ecobookstore hat Fairmondo nun 1,5 Millionen Bücher im Angebot. Ergebnis: Wer Bücher sucht, kann tatsächlich schnell und einfach finden, was er sucht. Egal ob Hemingway, Bourdieu oder Richard David Precht.

Gute Zeiten für grüne Weihnachtsgeschenke

Zwar sind die Verkaufszahlen von Fairmondo noch immer sehr gering und weit unter der Profitabilität. Aber das Unternehmen ist noch jung und die Kurve geht nach dem Durchhänger im Sommer wieder nach oben.

Für Nutzer mit einem Hauch von Gewissen sind die Entwicklungen von Bonsum und Fairmondo ein Lichtblick. Bis das Ziel vom schnellen und einfachen Kauf grüner Produkte erreicht ist, muss zwar noch einiges passieren. Aber einen halbwegs stressfreien Weg durch den Dschungel der nachhalten Geschenkmöglichkeiten zu finden, ist in der Vorweihnachtszeit 2014 doch einfacher als je zuvor.

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