Kino & DVD

Die Reise zum sichersten Ort der Erde

Wohin mit dem Atommüll?

ab 17.3.15

Kino

Sellafield, Yucca Mountain, Gable Mountain, Östhammar, Gorleben und Carlsbad in New Mexico, Westaustralien, Aargau, die Wüste Gobi. Was sie gemein haben? Es sind alles Orte, an denen Atommüll endgelagert wird oder werden soll.

Der schweizerische Filmemacher Edgar Hagen hat sie alle besucht – und so ein diffiziles Bild der globalen Endlagersuche gezeichnet. Ein Bild, das vor allem eines deutlich macht: Die seit Jahrzehnten andauernde Odyssee nach dem geeigneten Platz für die strahlenden Hinterlassenschaften ist ein fast unlösbares Spannungsfeld.

Ein Spannungsfeld, das zu einer filmisch eher langweiligen Reise hätte werden können. Denn meist verweigern Konzerne oder Behörden Filmteams den Zugang zu den wirklich interessanten Orten. Edgar Hagen hat einen Weg gefunden, die verschiedenen Orte elegant miteinander in Beziehung zu setzen.

Charles McCombie – Kernphysiker und Experte für Endlagersuche

Das verbindende Element ist Charles McCombie, der vielen Projekten als Berater und wissenschaftlicher Experte zur Seite steht. Wenn es um Endlager für Atommüll geht, gehört Charles McCombie zu den begehrtesten Wissenschaftlern weltweit. Geboren 1945 in Aberdeen, Schottland ­­– im gleichen Jahr als über Japan die ersten Atombomben abgeworfen wurden.

Charles McCombie ist ein glühender Anhänger der Atomkraft, spricht aber deutlich die offenen Fragen an. „Ich bin felsenfest überzeugt davon, dass wir die Atomenergie brauchen“, sagt er gleich am Anfang des Films. Als Nuklearphysiker ist der mittlerweile in der Schweiz lebende Schotte seit über 35 Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Endlagerstätte für hochradioaktiven Atommüll – den buchstäblich sichersten Ort der Erde – an dem die strahlenden Hinterlassenschaften unseres Atomzeitalters teilweise über Millionen von Jahren sicher gelagert werden sollen.

Noch ist kein richtiger Platz gefunden

Trotz seines jahrelangen Einsatzes hat McCombie diesen Ort noch nicht gefunden. Das bisher einzige Endlager der Welt liegt in Carlsbad im US-Bundesstaat New Mexico und ist auch nur für kalten Atommüll, also schwach strahlenden Abfall geeignet. Warum es für hochradioaktiven Müll noch kein Endlager gibt, stellt Filmemacher Hagen ausführlich dar: Entweder sind die geologischen Strukturen nicht geeignet, Grundwasser dringt in potenzielle Lagerstätten ein oder der Widerstand aus der Bevölkerung ist zu groß – oder alles drei. So hatte McCombie beispielsweise in der Schweiz seiner Meinung nach erwiesen, dass eine Lagerung aus technischer Sicht möglich sei – einen Standort jedoch nicht realisieren können.

Hagen begibt sich zum besseren Verständnis nicht an die verschiedenen Orten, er nimmt auch die historischen Meilensteine der Atomenergie zur Hilfe, um die Problematik zu verdeutlichen. Vom Wunder der Technik zum Problem könnte man sagen. Ein Problem, das es nun unter Partizipation der Bevölkerung zu lösen gilt. Das sagt selbst Ju Wang, der Direktor des „Hochradioaktiven Endlagerprogramms“ der chinesischen Regierung, als er in einer fast menschenverlassenen Gegend der Wüste Gobi steht und Charles McCombie über die Bohrungsbefunde in Kenntnis setzt.

Die Endlagersuche braucht Glaubwürdigkeit

„Die Reise zum sichersten Ort der Erde“ ist ein Dokumentarfilm, der deutlich zeigt, was er von der Atomenergie hält. Regisseur Edgar Hagen räumt mit Charles McCombie jedoch einem Anhänger der Atomkraft viel Zeit ein, seine Idee und seine Arbeit vorzustellen. Hagen widersteht dabei dem Versuch, die Befürworter und auch McCombie als Ewiggestrige darzustellen. Eine Tatsache, die nicht nur dem Film gut tut, sondern glaubwürdig das Dilemma der Endlagersuche umschreibt.

Glaubwürdigkeit sei eine wichtige Voraussetzung für die Errichtung eines Endlagers hält Edgar Hagen fest und lässt McCombie ein würdiges Schlusswort sprechen. „Man muss bereits sein, jederzeit abzubrechen und neu anzufangen“, sagt der Wissenschaftler. Etwas, was er nun seit 35 Jahren immer wieder tut.